GEW Schleswig-Holstein

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Schleswig-Holstein
21. September 2016

Arbeitszeit muss trotzdem sinken

Urteil zur Arbeitszeit von Lehrkräften wenig überraschend

Kiel – Zur heute veröffentlichten Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Schleswig zur Arbeitszeit von Lehrkräften an Gymnasien sagte Astrid Henke, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), am Mittwoch, 21.09.2016 in Kiel:

„Aus juristischer Sicht überrascht uns das negative Urteil nicht. Inhaltlich bleibt es aber dabei: Arbeitszeit und Arbeitsbelastung der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein sind viel zu hoch. Bildungsministerin Britta Ernst sollte nicht nur ständig von Bildungsqualität reden, sondern auch endlich die Pflichtstunden der Lehrkräfte in allen Schularten reduzieren. Das dient der Gesundheit der Lehrerinnen und Lehrer und führt zu qualitativ besserem Unterricht.“

Zur Untermauerung der hohen Arbeitszeitbelastung der Lehrkräfte verwies die GEW-Landesvorsitzende auf eine neue Arbeitszeitstudie der GEW Niedersachsen. Dort hatten Wissenschaftler von der Universität Göttingen festgestellt, dass Lehrkräfte in Niedersachsen mehr arbeiten als der Sollwert, die 40-Stunden-Woche der Verwaltungsbeamten. 2869 Lehrkräften aus 255 Schulen beteiligten sich an der Studie. Sie besitzt daher eine hohe Aussagekraft.

„Ich bin fest davon überzeugt: Auch in Schleswig-Holstein arbeiten Lehrerinnen und Lehrer mehr als die 41 Stunden pro Woche, die für Verwaltungsbeamte vorgeschrieben sind“, so  die GEW-Landesvorsitzende. „Dies umso mehr, weil die Pflichtstunden in Schleswig-Holstein teilweise erheblich höher als in Niedersachsen liegen.“ So müsse zum Beispiel eine Gymnasiallehrerin in Niedersachen 23,5 Pflichtstunden leisten, in Schleswig-Holstein 25,5. An einer niedersächsischen Gesamtschule (vergleichbar den Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein) beträgt die Pflichtstundenzahl 24,5; in Schleswig-Holstein 27.  

„Deshalb muss die Landesregierung endlich etwas für die Lehrkräfte tun“, forderte Astrid Henke. Um „die wirkliche Arbeitszeit“ der Lehrkräfte in Schleswig-Holstein konkret zu ermitteln, schlug sie die Einrichtung einer Arbeitszeitkommission vor.

Im Durchschnitt wird an den Gymnasien in Niedersachsen 3:05 Stunden, an Grundschulen 1:20 Stunden über dem Soll gearbeitet. Bei Teilzeit-Lehrkräfte sieht es noch schlimmer aus: Sie arbeiten an Gymnasien 4:07 Stunden, an Gesamtschulen 2:31, an Grundschulen 2:00 Stunden mehr pro Woche. Pausen und Erholzeiten während der Schulwochen sind so gut wie nicht vorhanden. Zwei Drittel aller Lehrkräfte arbeiten an fast jedem Wochenende.

Die GEW strebt in Schleswig-Holstein als Ziel eine Unterrichtsverpflichtung von 24 Stunden für die Lehrkräfte aller Schularten an. Im Augenblick liegt die Pflichtstundenzahl für Lehrkräfte an Grundschulen bei 28, an Gemeinschaftsschulen und Förderzentren bei 27 sowie an Beruflichen Schulen und Gymnasien 25,5 Stunden.