GEW Schleswig-Holstein

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Schleswig-Holstein
23. März 2016

Bezirkspersonalräte schlagen Alarm

Unterrichtsversorgung an Gemeinschaftsschulen fällt wohl auf 90 Prozent

30 GEW-Bezirkspersonalräte aus ganz Schleswig-Holstein stellen am 10.03.2016 auf einer Tagung fest, dass die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe in Schleswig-Holstein zum Schuljahresbeginn 2016/17 voraussichtlich mit nur 90 % Unterricht versorgt werden. Das ist für diese Schulart eine äußerst dramatische Entwicklung, denn neben den Grundschulen leisten die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe sowohl den Großteil der Inklusion als den größten Teil der Integration von Schülerinnen und Schülern mit Deutsch als Zweitsprache. Positiv ist festzustellen, dass nun auch an Gemeinschaftsschulen im schulamtsgebundenen Bereich die Unterstützung für die Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf deutlich verbessert wird.  Für die Grundschulen bleibt die Forderung allerdings noch unerfüllt, die Kinder mit Förderbedarf bei der Stundenzuweisung besonders zu berücksichtigen.

Die Bezirkspersonalräte sind sich einig: Auf die Lehrkräfte kommen in immer kürzeren Abständen immer wieder neue Aufgaben zu. Ein Beispiel dafür ist der Übergang von etwa 5000 Schülerinnen und Schüler, die zum Schuljahresbeginn 2016/17 von der ersten Stufe der DaZ-Förderung in die Regelklassen wechseln – vor allem an die Grundschulen und die Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe. Eine zusätzliche Sprachförderung kann dann in vielen Kreisen nur unzureichend oder gar nicht gewährleistet werden, weil die Ressourcen nicht ausreichen. Daraus folgt, dass ein Großteil der Integration in Schule und Gesellschaft auf den Schultern der Regelschullehrerinnen und Regelschullehrer lastet: Individualisierung, Differenzierung und der bleibende Anspruch auf Unterrichtsqualität im Hinblick auf die Abschlüsse. Auf Dauer ist das mit der festgestellten Unterversorgung nicht leistbar und macht die Kolleginnen und Kollegen krank. Die fehlende zusätzliche Sprachförderung für DaZ-Lernende wird außerdem dazu führen, dass die Schulerfolge vieler Jugendlicher, die Deutsch als Zweitsprache lernen und aufgrund ihres Alters an die Gemeinschaftsschulen wechseln, ausbleiben wird. Fatal ist auch die Feststellung, dass die dritte Stufe der Sprachförderung bei der Stellenzuweisung überhaupt keine Berücksichtigung mehr findet.

Ein großes Problem sehen die Bezirkspersonalräte auch bei der Lehrkräftegewinnung und berichten von großen Problemen bei der Besetzung von LehrerInnenstellen. Schon jetzt  bleiben viele Stellen – insbesondere befristet zu besetzende Stellen – unbesetzt.

Die GEW-Bezirkspersonalräte fordern:

  1. ...eine sofortige Steigerung der geplanten  Unterrichtsversorgung an den Gemeinschaftsschulen.
  2. ...eine ausreichende Versorgung der DaZ- Sprachfördermaßnahmen von Stufe 1 bis 3.
  3. ...Überlegungen zu Unterstützungsmaßnahmen der DaZ- und Regelklassen durch verschiedene Professionen.
  4. ...kleinere Klassen in der DaZ-Basisstufe.
  5. ...einen Ausbau der Maßnahmen für Jugendliche, die mit wenig oder keinen schulischen Vorkenntnissen nach Deutschland kommen. Diese jungen Menschen brauchen Kenntnisse in der deutschen Sprache, aber auch schon früh Begleitung bei der Suche nach beruflichen Perspektiven, z.B. flexible Übergangsklassen und praxisorientierte Projekte an Schulen.
  6. ...keine Versetzung von Grund- und Hauptschullehrkräften an Grundschulen aus dienstlichen Gründen gegen den Willen der Kolleginnen und Kollegen.
  7. ...und Maßnahmen zur Lehrkräftegewinnung.