GEW Schleswig-Holstein

Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Landesverband Schleswig-Holstein
25. Mai 2016

Falsche Prioritätensetzung

Kita-Pläne der Landesregierung bringen aber Verbesserungen

Kiel – „Es ist gut, dass die Landesregierung etwas zur Verbesserung der Situation in den Kindertagesstätten tut. Noch besser wäre es, wenn sie dabei die Prioritäten richtig setzen würde“, sagte GEW-Landesvorsitzende Astrid Henke am Mittwoch, 25. Mai 2016 in Kiel zu den Kita-Plänen von Sozialministerin Kristin Alheit.  

Auf Zustimmung stößt bei der GEW die angestrebte Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels. Die Sozialministerin will den Betreuungsschlüssel von 1,5 auf zwei Fachkräfte pro 20 Kinder in Gruppen mit einer Betreuungszeit von mehr als sieben Stunden erhöhen. „Das ist absolut sinnvoll, wenn auch leider nicht ausreichend“, meinte dazu die GEW-Landesvorsitzende. Die Ministerin müsse den Betreuungsschlüssel für alle Gruppen verbessern.

Weil es an den Rahmenbedingungen in den Kitas immer noch hapert, stoßen die 100 Euro „Krippengeld“ für Eltern bei der Bildungsgewerkschaft auf große Skepsis. „Eine im Kern richtige Maßnahme, leider zum falschen Zeitpunkt“, so Astrid Henke. Zwar trete die GEW grundsätzlich für kostenfreie Bildung von der Krippe bis zur Hochschule im Sinne von Chancengleichheit ein, im Augenblick müssten die Prioritäten aber anders gesetzt werden.

„Über Jahre hinweg haben die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten über die Belastungsgrenzen hinaus die Versäumnisse der Politik durch ihr Engagement ausgebügelt. Nach dem quantitativen Ausbau der Kitas gehört jetzt die Verbesserung der strukturellen Qualität in den Kitas an die erste Stelle. Die Verantwortung für eine bestmögliche Begleitung der Kinder wiegt höher als eine finanzielle Entlastung auch derjenigen Eltern, die locker die Kita-Gebühren bezahlen können.“

Aus Sicht der GEW müssen bei der Finanzierung der Kindertagesstätten Bund, Land, Kreise und Kommunen stärker an einem Strang ziehen. Die Bildungsgewerkschaft mahnt daher dringend ein Bundes-Kitagesetz an. Dem Gesetz müssten dann ein neues Finanzkonzept und konkrete Schritte folgen, um die Qualität in Kindertageseinrichtungen zu verbessern. Ohne eine finanzielle Beteiligung des Bundes ist eine Verbesserung der Qualität nicht zu stemmen.

Verantwortlich: Bernd Schauer, 25.05.2016

Presseerklärung des Verbandes Evangelischer Kindertagesstätten